Geschichte des Musikvereins

vor 1900: Bis zum Jahr 1875 besteht eine gemeinsame Kirchspielkapelle, die sich aus Bürgern  der  Gemeinden Nußbach, Nesselried und
Zusenhofen zusammensetzt, Ort des Kirchgangs der (Unter)Nesselrieder war bis zum genannten Zeitpunkt die Pfarrkirche in Nußbach

1 Jahr nach dem Bau  der Nesselrieder Wallfahrtskirche 1875 endet diese musikalische Zusammenarbeit im Jahr 1886 wird die Nesselrieder
Musikkapelle, die einen Auftritt am Ebersweierer Patrozinium bestreitet vom dortigen Chronisten schriftlich erwähnt.

 

1900 bis 1914 :  ein Bild von 1903 zeigt 7 Musiker der Kapelle, gemeinsam mit dem Militärverein vor dem Gasthaus Krone, zur damaligen Zeit
trat der Verein wie schon vorher an kirchlichen Anlässen auf, aber auch Hochzeiten und Tanzveranstaltungen wurden musikalisch umrahmt,
die Instrumente waren Privatbesitz der Musiker.

 

1914:  Mit Beginn des 1. Weltkriegs endet wie in vielen anderen Gemeinden auch das Musizieren abrupt.

 

1922:  Dieses Jahr kann als eigentliches Geburtsjahr des heutigen Vereins bezeichnet werden, der Verein wurde, damals noch als Teil
des Radsportvereins, gegründet, die Instrumente für die 16 allergrößtenteils jungen Musiker  wurden von den Männern der alten Kapelle
zur Verfügung gestellt bzw. vom Vereinsvermögen des RMSV angeschafft, erster Dirigent war der Militätärmusiker Emil Bell aus Ebersweier.

1925: Nach internen Differenzen sagt sich die Kapelle vom Radsportverein los und stellt sich rechtlich auf eigene Füße, erster Vorstand
wird Karl Sauer - bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs wird die Kapelle nacheinander von folgenden Dirigenten geleitet: nach Emil Bell,
der nach Dresden zieht, folgt Dirigent Roßwog, der wiederum von Karl Peker aus Oberkirch abgelöst wird, besonders Peker macht sich um
den musikalischen Fortschritt des MVN der Vorkriegsjahre verdient, nach ihm hat Karl Wagner aus Offenburg für kurze Zeit das Dirigentenamt
inne, der Offenburger Willi Esser leitet den Musikverein bis zum Beginn des Krieges.

 

1930: Karl Sauer verlässt Nesselried  und Wilhelm Vollmer wird neuer 1. Vorstand.

 

ab 1933: Der absolute Machtwille  der neuen politischen Kräfte macht auch vor dem Musikverein nicht halt, leitende Personen sollen/müssen
politisch konform sein und die traditionsreiche Zusammenarbeit mit der Kirche soll unterbunden werden, der damalige Pfarrer Emil Biehlmann
und der Verein kooperieren aber gut miteinander sodass die Realität oftmals anders aussieht als die politische Leitlinie.

 

1941: Spätestens ab 1941 waren alle Musiker in den Krieg berufen und damit das Vereinsleben nicht mehr existent.

 

1946: 6 aktive Musiker kommen nicht mehr aus dem Krieg zurück, andere sind noch in Gefangenschaft, dennoch gibt es starke Bemühungen
den Verein wieder zu beleben, eine neue Formation mit älteren und vielen jungen Musikern spielt bereits am Weißen Sonntag 1947 zur
Erstkommunion der Kinder.

 

1947: Eine komissarische Vorstandschaft, geleitet vom 1. Vorsitzenden Otto Lott, beantragt beim französisch besetzten Landratsamt die
Wiedergründung des Vereins, die Gründungsversammlung erfolgt am 15. Juni 1947, erster Vorstand wird (bleibt) Otto Lott, Alfons Ulm aus
Appenweier leitet den MVN in den ersten Jahren nach dem Krieg.

 

1948: Wilhelm Vollmer wird zum Ehrenvorstand ernannt.

 

1949: Die Nachkriegsjahre sind für den Verein nicht einfach, Vorstand Lott tritt zurück und wird noch einmal durch den Ehrenvorstand Vollmer
ersetzt, der Verein spielt zur Finanzierung 2 Mal  pro Monat in den Nesselrieder Gasthäusern, ein Jahresbeitrag der aktiven ist erforderlich.

 

1950: Franz Retsch wird Chorführer.

 

1951: Franz Roth beerbt Wilhelm Vollmer als Vorstand, Alfons Ulm tritt vom Dirigentenamt zurück und wird für ein Jahr von Dirigent Julius
Schuhmacher aus Offenburg abgelöst, trotz der personellen Turbulenzen absolviert man ein Werungsspiel in Nußbach mit Note "sehr gut".

 

1952: Was das Dirigat anbelangt kommt der Verein nun endlich in ruhigeres Fahrwasser, Musikdirektor Willi Kirpes aus Offenburg übernimmt
die musikalische Leitung und behält diese über 25 Jahre.

 

1957 Bleiuniform: Die Restbestände der ersten 1934 angeschaften Uniform verhelfen dem Verein längst nicht mehr zum einheitlichen
Erscheinungsbild, nach langer Vorlaufzeit und großen Anstrengungen (Alteisensammlung, Ausgraben von Bleiwasserrohren, Selbstbeteiligung)
tritt man in diesem Jahr am Wertungsspiel in Oberachern  zum ersten Mal mit neuem Outfit auf,  das Wertungsspiel wird mit "sehr gut" bewertet.

 

1961: Andreas Männle wird neuer Vorstand, nachdem Franz Roth seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen abgibt, Hermann Hurst
übernimmt das Amt des Chorführers von Franz Retsch.

 

1962: Trotz ersichtlicher guter Zusammenarbeit zwischen Musikern und erstem Vorstand kann die 40 Jahr Stiftungsfeier im August 1962
nicht mit dem neu gewählten ersten Vorstand stattfinden, Ludwig Vollmer, der bisher einen Posten als Rechner bekleidete, übernimmt das
Amt komissarisch, eine außerordentlicher Generalversammlung im Oktober 1962 bestätigt ihn im Amt.

 

1965-1984: 3 Mal wechselt der Musikverein in diesen Jahren sein Erscheinungsbild, zunächst 1965, nachfolgend 1973 und dann noch 1984, letztere
Uniform ist die erste die ohne Selbstbeteiligung der Musiker gekauft werden kann, die trachtenähnliche Einheitskleidung von ´84 wird bis zum
heutigen Tag von den Musikern zu Auftritten getragen.

 

1969: Um vom Landratsamt eine Eintragung ins Vereinsregister zu rehalten wird in diesem Jahr eine neue Satzung ausgetüftelt.

 

1971: Die Gemeindereform von ´71 bringt Nesselried zwar den Verlust der Eigenständigkeit, dem Verein aber eine finanzielle Zuwendung
der Gesamtgemeinde von 10000 Mark, davon werden viele neue Instrumente angeschafft.

 

1972: Vom 14. - 17. Juli findet das 50 Jahr Stiftungsfest statt, zahlreiche Vertreter der Musikverbände und der Lokalpolitik finden sich hierzu
in Nesselried einim selben Jahr wird unter der Leitung von Chorführer Hermann Hurst die Jugendkapelle aus der Taufe gehoben, die Jugendlichen
werden 1975 in das große Orchester integriert, was die Zahl der aktiven von 23 auf 34 Musiker vergrößert.

1976: nach 25 Jahren als musikalischer Leiter gibt Willy Kirpes aus Offenburg sein Dirigentenamt ab, NAchfolger ist Herbert Bühler
aus Großweier, Kirpes wird im Zuge eines für ihn veranstalteten Abschiedskonzert zum Ehrendirigent  ernannt.

 

Sommer 1981: für kurze Zeit, nämlich vom Sommer 1981 bis zum März 1982, dirigiert Hermann Hurst den Musikverein als Interimsdirigent.

 

1982: der neue Dirigent den man im März des Jahres gefunden hat, heißt Franz Schindler aus Oberkirch-Haslach, mit ihm beginnt eine
Periode des konstanten Bemühens den Verein musikalisch nach vorne zu bringen, die genau 30 Jahre anhalten soll, seine Experimentierfreudigkeit
mit neuen Richtungen der Blasmusik sind für viele Altgediente anfangs nicht immer ganz einfach, führen aber letzen Endes dazu, dass der Verein
im jahr 2012 eine von vielen Zuhörern geschätzte musikalische Variabilität aufweisen kann, das  Repertoire reicht von bayerischen Zwiefachen
bis zu Stücken aus dem Hard-Rock Bereich 1982  übergibt auch Hermann Hurst seinen Posten als Chorführer an Tobias Männle.

1988: Ulrich Proboscht wird Chorführer.

 

1989: über all die Jahre haben die Konzerte des Musikvereins immer im Gasthaus Krone stattgefunden, mit der Fertigstellunjg der
Rebstockhalle finden sie von nun an auch dort statt im selben Jahr wird der Flügelhornist  Robert Sauer neuer  Vorstand  und löst
Ludwig Vollmer ab, der große Verdienste für den Verein erworben hat.

 

1992: man organisiert einen großen Ausflug  ins friesische Werdum, der vielen noch nach Jahren  in guter Erinnerung ist, ebenso knüpft
man freundschaftliche Kontakte zum bayerischen Dorf Heiligkreuz und pflegt die deutsch-französische Freundschaft zu den Einwohnern
der Stadt Montlouis, nahe Tours.

1999: seit 1999 bis zum heutigen Tag trägt Georg Vollmer als erster Vorstand die Verantwortung für die Belange des Musikvereins 

über Jahre hinweg engagiert sich Alois Sauer abwechselnd mit Franz Schindler in der Leitung des Jugendorchesters.

 

2006: die Nachforschungen des Vereinschronisten Richard Vogt ergeben, dass  die Kapelle seit langem berechtigt ist den
Pro-Musika-Orden zu empfangen, der im August 2007, anlässlich des Dorffestes, von der Bundestagsabgeordneten Drobinki-Weiss überreicht wird.

2012: Franz Schindler leitet das große Orchester am traditionellen Frühjahrkonzert ein letztes Mal, ihm zu Ehren wird die Veranstaltung
gleichzeitig auch als Abschiedskonzert gestaltet.